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Die Fortsetzung schreiben wir gemeinsam.

Die Geschichte der Flüchtenden F.

Die Flüchtenden F. waren seit einer Woche bei Fluchthelfer*innen untergetaucht. Übermorgen würden die Flüchtenden F. von den Fluchthelfer*innen weiterverteilt werden, erst an Fluchthelfer 1, anschließend an Fluchthelferin 2, usw., bis sie in Sicherheit waren. So hofften sie.

Unter dem Minister*innenpaar M. und seinen Nutznießer*innen war eine neue, alte Zeit in Land L. angebrochen. Eine Zeit, vor der man sich insgeheim gefürchtet und zugleich jedoch stets lächelnd abgetan hatte. Der Kreisel der Geschichte hatte sich erneut und unerkannt auf Anfang für die einen und auf Ende für die anderen gedreht. Man hatte sich in Sicherheit gewogen und nicht verstanden, dass in jedem von ihnen der Virus stets geduldig auf eine neue, alte Atmosphäre der unsinnigen Angst gelauert hatte. Das Minister*innenpaar M. und seine Nutznießer*innen hatten das Netz sachte mit Worten gesponnen und es, als sie sich sicher sein konnte, dass die Angst gefruchtet hatte, ausgeworfen. Die gedacht starken Schutzmechanismen der Demokratie waren in Folge der schnell schwindenden Demokrat*innen zunächst immer mehr ermüdet und letztendlich vollkommen eingebrochen. Die Menschen schlichen misstrauisch und grau durch die Straßen, beäugten, bespitzelten und verrieten. Sie hatten sich im Angesicht der gesponnenen Gefahr-fiktion in ihrer Gedankenhöhle festgesetzt und das Minister*innenpaar M. zu ihren Höhlenwächter*innen gekrönt, mit seinen Nutznießer*innen als Assistenz.

 
Asylverfahren gab es in Land L. schon lange nicht mehr. Sie waren vor die Grenzen des Kontinents K. verlagert worden, in failed states, die man sich zu neuen Freunden gemacht hatte, weil diese mehr Freund waren, als die Flüchtenden. Einer der ersten Verdienste des Virus. Man hatte unveräußerliche Menschenrechte veräußert und in Zäune und Mauern investiert. Der Virus hatte die Flüchtenden in den Köpfen der in ihrer Gedankenhöhle Festsitzenden entmenschlicht und zu einer Masse verschmelzen lassen, bei deren Ertrinken sich das schlechte Gewissen der Einwohner*innen des Kontinent K. nicht mehr allzu heftig meldete. Flüchtende, die es über die Zäune und Mauern geschafft hatten, wurden ohne Zögern und rechtsstaatlichem Verfahren vor die Grenzen des Kontinents K. abgeschoben. In Land L. galten die Menschenrechte, einst dessen angebliches Fundament, längst nur noch für eine flexibel definierbare Gruppe. Flüchtende gehörten nicht dazu. Ein weiteres Verdienst des Virus.

Der Virus hatte sich mittlerweile auf ganz Kontinent K. und sämtliche dem Kontinent K. zugehörigen Länder L. ausgebreitet. Und dennoch trieb es die Verzweifelten auf diesen abgeschotteten Kontinent, denn in all dem Unsinn gab es sprichwörtlich eine verbleibende Insel der Hoffnung. Auf Insel I. hatte der Virus nicht, vermutlich noch nicht, mit einer solchen Heftigkeit gewütet wie auf dem kontinentalen Festland. Auf der Insel I. schienen vernünftige Geister diesen Irrsinn wohl zu verstehen und eben jene vernünftigen Geister weiterhin zu überwiegen. Vielleicht aber, und so wird es wohl sein, waren auf der Insel I. bisher zu wenige Flüchtende angekommen als dass man mit ihnen eben jene Atmosphäre der sinnlosen Angst hätte spinnen können, mit der der restliche Kontinent verseucht worden war. Die fehlende Masse hatte schlichtweg zu wenig Schlagkraft. 

Die Insel I. war ohne Einreisepapiere jedoch nur mit weiteren unaussprechlichen Mühen zu erreichen. Die vernünftigen Geister auf der Insel I. waren zwar vernünftig, aber nicht so vernünftig, Flüchtenden vorweg Einreisepapiere zu erteilen, um ihnen die Flucht zu ersparen. Daher entschieden sich viele Flüchtende, die auf der Flucht einen weiteren Teil ihrer Seele verloren hatten, auf dem kontinentalen Festland zu bleiben, ihre restliche Kraft für den Aufbau eines neuen Lebens zu verwenden, und nicht weiter an die Insel I. zu denken. Bis der Virus ausbrach und den Flüchtenden keine Alternative ließ, als einen weiteren Teil ihrer Seele zu opfern. 

Die Nutznießer*innen und ihre willige Exekutive vollzogen angebliches Recht und schoben jene, die nicht unter die flexibel definierbare Gruppe an Menschenrechtswürdigen der Länder L. des Kontinents K. subsumiert wurden, vor die Grenzen des Kontinents K. in Massen ab. Dort verschmolzen jene abgeschobenen Massen mit den bereits dort existierenden entmenschlichten Massen an Flüchtenden. 

Den wenigen dieser entmenschlichten Masse, die es bis zur Insel I. schafften, erlaubten die dort lebenden vernünftigen Geister zu bleiben. 

Die Geschichte der Flüchtenden F.

Die Flüchtenden F. sind solche jener entmenschlichten Massen. Und trotz der grausamen Entmenschlichung in den Köpfen der in ihrer Gedankenhöhle Festsitzenden, ist und bleibt doch jene Wahrheit unumstößlich, dass sie stets Menschen waren, sind und es immer bleiben werden. Und deswegen soll hier ihr Name genannt werden. Ihre Namen lauten Asha, Tesfaye und Toivo, die Hoffnung.

 
Die Fortsetzung schreiben wir gemeinsam.